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Der Weihnachtsengel

Mit besten Festtagswünschen an alle meine Freunde und gute Menschen.




Sie bekam den Namen Angelina – weil zu Beginn ihres noch jungen Lebens nicht sicher war, ob sie nicht zu den Engeln geschickt werden muss.

Ein schwieriger Beginn. Mitten im Sommer dieses Jahres fanden Turisten auf einer Strasse unweit des Tierheimes Komarno eine handvoll Hund... einen Welpen, etwa 2 Monate, ganz schlimm beieinander. Praktisch bewusstlos, kraftlos hängend, der Kopf merkwürdig schief, ein Hinterbein komisch gedreht und langgestreckt. Agnes, die Tierheimleiterin, vermutete Dehydrierung, nahm den Welpen zum Doc, dann nach Hause und träufelte ihm Flüssigkeit und etwas Nahrung ins Mäulchen. Nach zwei Tagen berappelte sich das Hundemädchen etwas, immerhin kam es zu Bewusstsein, aber das war auch alles.


Die handvoll Hund kam zu mir, nach Bratislava. Als erstes ein Veterinärcheck. 1,7 kg, neurologische Symptome deutend auf Kleinhirnschädigung (genetisch? nach Verletzung?), das Hinterbeinchen gebrochen. Hier fiel das Urteil: falls angeborener Kleinhirndefekt, dann Prognose schlecht.

Zum Glück haben sich die Infopuzzlesteinchen gefügt: die Turisten erzählten, dass die kleine auf ihrem Hinweg noch munter herumlief, auf dem Rückweg fand man sie dann kraftlos liegen. Also Verletzung, ein schweres Schädelhirntrauma. Jetzt galt abzuwarten, dass sich der Zustand der gequetschten Hirnteile normalisiert, etwaige Ödeme zurückbilden. Das gebrochene Beinchen wurde mit einem Verband fixiert, für eine chirurgische Korrektur war es schon zu spät.

Angelinchen nahm alles gut gelaunt hin. Sie schmeichelte sich bei jedem Vet-Besuch allen Zweibeinern ein, wieselte herum. Der Morgentau nässte den dicken Watteverband durch, alle 2-3 Tage musste ein Verbandswechsel vorgenommen werden. Trotz Plastiktüte, Gummiband, kleine Socke drüber. Einige male fand ich diese Utensilien verschlammt irgendwo im Gebüsch in meinem Garten wieder. Und Angelinchens Beinverband nass bis zum Knie...


Bei dem häufigen Verbandswechsel fiel eine merkwürdige Schiefstellung des Beinchen auf, wuchs es etwa krumm zusammen? Als dann der Tag kam, wo sie ohne Verband laufen konnte, zeigte sich ein wackliges Knie, es wurde ein Kreuzbandriss vermutet. Also doch eine OP... Aber nein, das Kreuzband fest wie ein Tau, leider war das Knie ausgekugelt.

Erneut Bandagen, aber nicht mehr lange, bald sollte sie das operierte Knie belasten. Sie tat es. Und wie! Mit weiteren Pflegewelpen in meinem grossen Garten lief sie um die Wette, dass dünne Bein nahm Muskelmasse an, irgendwannmal war es dann gut so. Heute, nach bald einem halben Jahr, erinnert nur noch die kleine Narbe an die Knie OP.

Der Hals wurde immer weniger schief... gerade ist er immer noch nicht, vielleicht bleibt auch die leichte Schiefstellung für immer, die ihr ein kokettes Aussehen verleiht, wenn sie einen mit ihren klaren hellen Augen aus dem wunderschönen Gesichtchen anschaut.

Die ersten Monate waren easy. Brav, im Auto leicht zu transportieren. Auf dem Vordersitz – bei ihr ging es, wirklich – etwas verbarrikadiert zur Frontdesk zu, ein Büffelhautkaugummi kauend, bald schlief sie selig ein und verschlief jede Veterinärfahrt ruhig zusammengerollt.

Aus dem 1,7 kg Welpen wurde ein 7 kg Hundefräulein. Von wegen Chihuahuamix! Ein grosses Rätselraten. Was steckt da drin? Vielleicht ein Akita? Einiges deutet in die Richtung. Der feste muskulöse kompakte Körperbau, das breite Gesicht, vor allem aber ihre Art der Lautgebung. Sie bellt nicht, sondern grunzt, gröllt, gibt so komische Geräusche von sich... vor allem im Balgspiel mit anderen Hunden hört es sich direkt bedrohlich an. Ist es nicht... sie spielt aktuell mit 3monatigen Kleinen, sie provoziert mit angedeuteten Bissen, schnappt nie zu, kennt genau das Mass. Überhaupt ist ihr, bei aller Selbstständigkeit, jedwedes Dominanzverhalten fremd. Eine gut angepasste, im Rudel abwartende, die vorgegebene Hierarchie akzeptierende Hündin, absolut freundlich mit jedem Ankömmling, ob vier- oder zweibeinig.


Ein kleiner Muskelprotz, der am liebsten im Garten herumrennt. Da zieht sie ihre Runden, wenn die Energie rausmuss, oder spielt ganz allein mit einem im Wind flatternden Blatt. Komischerweise, so jung gefunden, kaum schlechte Erfahrungen mit Menschen, aber das Schmusen musste ich ihr beibringen. Habe immer Leckerlies dabei, sie bekommt sie haufenweise, in Kleinstdosen, nur so Schnippelchen. Ich musste ihr erst zeigen, dass es schön sein kann, in meiner Nähe zu sein. Dann streckt sie mir wohlig ihren kleinen Schiefhals entgegen und geniesst die Streichelenheiten. Diese Bereitschaft ist tageszeitabhängig... erst abends wird sie mürbe und schmusebereit. Tagsüber ist dieses kleine Muskelpaket ein selbstständiges Hündchen, nicht zu bändigen, autark, braucht niemanden, der Garten ist ihre Arena. Habe da meine Probleme, sie reinzuholen, z. B. wenn ich weg muss, da arbeite ich mit wechselnden Tricks, sie kommt auf Zuruf nicht. Aktuell bekommt sie eine kurze Leine umgehängt, die ich notfalls festtreten kann. Und wir beginnen mit Clickertraing.

Na ja, Trainig... ich bin eine beschäftigte Person mit vielen Verpflichtungen, mangelnder Konsequenz, vielen Pflegehunden, meistens Rekonvaleszenten nach Operationen. Ist ein kleiner Patient einmal bei mir, schaffe ich es nicht mehr, ihn ins Tierheim zurückzugeben. So bleiben manche über eine längere Zeit, bis zur Vermittlung, das kann dauern. Dazu zwei eigene Seniorenhude. Apropos Seniorenhund. Angelina war geschätzt 6 Monate alt, als mein alter schwer herzkranker Rüde begann sie zu besteigen. Vehement, ohne Unterlass, nach Luft ringend. Sie lief herum und hielt es für ein lustiges Spiel. Nein, sie war noch nicht läufig, aber die Hormone kündigten sich an. In der Situation war ein Frühkastration eine Notwendigkeit. Mit dem Kleinstschnitt meiner bewährten Veterinärin, auch diesen Eingriff absolvierte Angelina, der Überlebenskünstler, mit Bravour und lief bereits am Abend im Garten herum.

So, sie ist hier, ich bin verliebt in sie, wollte sie eigentlich behalten. Soll ich es, kann ich es? Kann ich ihr das bieten, was sie braucht? Liebe und Geborgenheit reichen nicht aus. Erziehung und Beschäftigung sind ebenso wichtig... dazu habe ich keine Zeit und keine Begabung... Und so ringe ich mit mir, stehe vor einer Entscheidung wie schon einmal. Der Minjo-Schmerz  dumpelt noch in meinem Herzen, die Entscheidung damals war richtig, aber wie bei einer Trennung von einer grossen Liebe: seine Fotos will ich noch immer nicht anschauen. Steht mir solch ein Schmerz wieder bevor?


Der Weihnachtsengel Angelina soll zunächst meine herzlichen Festtagsgrüsse an alle Freunde, Tierschutzkollegen und alle guten Menschen, die nie einem Tier auch nur ein Haar krümmen könnten, überbringen. Das Neue Jahr wird die Entscheidung aufzeigen. Hat sich ein Leser/in in Angelina verlieben können, bitte melden... vielleicht, nach Prüfung, ginge ein Übergabe aus meinem Arm direkt in das andere...

Yvonne Neumann, 18. Dez. 2007