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Tagebuch einer Rettung



28. Mai 2009

Vor dem Tierheim Komarno wurde ein Plastiksack abgelegt... Agnes, die Tierheimleiterin, die täglich mit Erwartungen schlimmer Überraschungen vor dem Tierheimtor ihren aufopferungsvollen Dienst antritt, musste erst schlucken und konnte die Tränen nicht zurückhalten: ein kleines dünnes Hundemädchen kam zum Vorschein, jeder Wirbel einzeln sichtbar, sie konnte nicht auf die Hinterbeine, erschrockene Äuglein mit dem „tue mir nichts“ Ausdruck... Roch irgendwie nach Kaninchenstall und die langen Krallen bogen sich, unbenutzt, nicht durch Gehen abgewetzt. Erster Verdikt des Veterinärs ob des schlimmen Zustands, da er eine Lähmung vermutete: einschläfern...


     Da kennt man aber Agnes nicht!

Sie wusch die Kleine, desinfizierte ihre Wunden an den Vorderbeinen, gab ihr trinken und essen - sofern man die wenigen Bisse essen nennen konnte - und fuhr zum Röntgen in die nächste Stadt. Nichts an der Wirbelsäule, keine neurologischen Ausfälle, bloss die Knie erschienen dem Veterinär lädiert, ausgekugelt? Er vermutetete ein sog. weiches Knie, angeboren, operabel.

    Soweit gut, eine Erklärung war da, wichtige Frage nun: wer kann sich kümmern, wer bezahlt?...


Wie so oft, rief mich Agnes in ihrer Not, sie sah sich aus verschiedenen Gründen ausserstande, die Versorgung zu übernehmen. Im nachhinein muss ich bestätigen, dass die Übersiedlung in eine häusliche Pflegestelle in der Hauptstadt schlicht lebensrettend war. Was die nächsten Tage folgte, hätte Agnes in einem Tierheim mit rund 60 Hunden, die sie allein mit einer Halbtagskraft versorgt (Neben Job und Familie), nie und nimmer schaffen können. Zu allem Übel verlor sie Tag drauf aufgrund eines Vorfahrtunfalls an einer unübersichtlichen Kreuzung ihren Führerschein und war ab nun an mit dem Fahrrad unterwegs.

1. Juni 2009

Ich übernahm also. Als ich das kleine geschundene Bündel sah, wusste ich, da ist sofortige veterinärmedizinische Intervention erforderlich. Aufnahme in einer Vet-Klinik mit 24-Stunden Dienst, zunächst Grunduntersuchung mit Blutanalyse und Dauertropf. Ganze 4,2 kg brachte das Hundemädchen auf die Waage. Die Blutwerte soweit nicht eindeutig, erhöhte Leukozyten als Entzündungszeichen, ziemliche Anämie, mehr aber auch nicht.

Nach dem Infusionsstart kam sie zu mir ins Haus. Eine Schlafkoje wurde ihr im Bad eingerichtet, getrennt und geschützt vor den Haushunden. Einzige erfreuliche Erkenntnis - sie schien stubenrein, d.h. sie machte nicht unter sich, benutzte das bereitgelegte Zeitungspapier oder erledigte ihr Geschäft auf dem Rasen, wenn rausgelegt. Sonst Megastress, weil Ivanka, so wurde sie genannt, erst kaum und später überhaupt nichts zu sich nehmen wollte. Ihre Abneigung gegen was Essbaren, auch den besten Leckerbissen wie Hühnerbrüstchen, war evident, sie drehte angewidert den Kopf ab, lief davon, wenn ich mit den schmackhaften Bissen angetanzt kam.

Ja, sie konnte gehen! Zusammengekrümmt, bucklig, schwankend, nur ein paar Schritte, um z.B. das Lackerl zu machen, dann fiel sie wieder hin. Schlief meistens warm eingemummt in ihrem Bettchen, schaute teilnahmslos, wehrte sich schwach gegen die Hunde, die aber bald merkten, dass sie Ruhe braucht.

Die nächsten Tage folgte ein diagnostisches Tappen... das Gewicht war mittlerweile auf 3,9 kg runtergesackt, die Anämie immer stärker. Wiederholt stationär aufgenommen, nach 24 Stunden entlassen, kein Ratschlag griff, das Siechtum war bedrohlich.

5. Juni 2009

Weiterer diagnostischer Schritt war eine Magendarmpassage unter Kontrastmittel. Zu dem Zweck bekam sie Kontratsmittel eingeflösst und der Magen-Darm-Trakt wurde in regelmässigen zeitlichen Abständen geröntgt. Aber die Passage war unbehindert, nur am Magenausgang etwas Kontrastmittelanhäufung, es wurde eine Gastritis diagnostiziert. Antibiotikum, Mittel gegen Magenentzündung, Diät. Zwangsernährung! Jede Stunde musste ich ihr mit der Spritze den Futterbrei einflössen. Sie wand sich, angewidert, jammerte, ja weinte. Es war ein Kampf, beide waren wir voll Futterbrei, immerhin, etwas kam auch in sie hinein. Aber nicht genug...

Ein Wechselbad der Gefühle, Erwartungen, Hoffnung auf Ansprechen, leider umsonst. Die Abneigung gegen das Essen blieb, sie nahm weiter ab, plötzlich wurde der Zustand bedrohlich, sie kam erneut unter Tropf. Dann wieder nach Hause, weil bei der Hospitalisierung ein negativer psychischer Faktor vermutet wurde. Tatsächlich, kam ich, leuchteten ihre Äuglein auf, bei mir fühlte sie sich bereits zuhause. Eine vorübergehende Besserung, kein Erbrechen mehr, besonders erfreulich war, als sie mir ein Stückelchen Hühnerbrust aus der Hand nahm und etwas zwischen den Zähnen zermalmte. Aber schon die nächste Hiobsbotschaft: Verdacht auf Darmverschlingung!


12. Juni 2009

Nach einer Nacht mit erneutem Erbrechen, das klitzkleine Leuchten der Augen war wieder dahin... entschied das Ärztekonsortium eine Bauch OP. Man wollte schauen, was Sache ist, nachdem die diagnostischen Möglichkeiten nicht griffen und die therapeutischen Massnahmen ohne Erfolg blieben. Ich unterschrieb ein Revers und verblieb wie so oft in solchen Fällen: „bitte entscheiden sie als wenn es ihr Hund wäre. Ist etwas unheilbar, lassen sie sie aus der Narkose nicht aufwachen...“

Stunden des Bangens, jeder Anruf mit Schrecken entgegen genommen. Je länger der Zeitabstand, desto zuversichtlicher war ich, sie lebt, weil der Tod geht ja schnell... Ja, tatsächlich! Kein Tumor gefunden, kein Organversagen, nun gut, eine schwere Pankreatitis (an sich schon eine schmerzhafte Geschichte, was Wunder, dass sie nie jammerte), aber endlich ein Befund: massive Pylorusstenose, d.h. der Übergang vom Magen in den Darm verengt und die Schleimhaut dort verhärtet, entzündet. Die verengte Stelle wurde chirurgisch erweitert (sog. Pylorusplastik), 48 Stunden nach dem Eingriff darf nichts durch, also künstliche Ernährung.


Morgens und abends bin ich in der Klinik, nehme das Leichtgewicht auf die Arme, streichle sie und spreche ihr sanfte Worte zu. Wörter der Hoffnung, weil noch nichts entschieden ist, auch wenn sie die OP trotz dem schlimmen körperlichen Zustand erstaunlich gut überstand. Zwei Tage nach der OP bekommt sie flüssige Nahrung, hoffentlich erbricht sie nicht. Falls ja, wird eine Magensonde eingeführt. Irgendwann wird der Magen wieder aktiv. Von alles entscheidender Bedeutung ist aber der Dünndarm, der muss wieder aktiv werden. Da keiner weiss, woher Ivanka kam, wie sie lebte, seit wann ihre Beschwerden andauern, weiss man nicht, ob der Darm einer Regeneration fähig ist. Im Dünndarm werden die im Magen vorverdauten Nährstoffe an den Körper abgegeben. Geschieht es nicht, darbt der Organismus, früher oder später wäre dann endgültig Schluss.

Es ergibt sich noch eine prosaische Frage: das kostet doch einiges... Das tut es, wirklich. Aber Hand aufs Herz: kann man in einem solchen Fall ein Geldlimit festlegen? Bis soviel und wenn es nichts bringt, dann ist Schluss? Das Tierheim hat dafür kein Geld, Sponsoren wurden aufgerufen, der grösste Batzen bleibt an mir hängen. Wobei, ich verzichte gern auf Urlaub, neue Garderobe oder Restaurantbesuche. Die Augen eines gesundgewordenen Hündchens zahlen es mir tausendfach, der Verzicht auf Konsumgüter ist kein Verzicht, nein, eine gewählte Alternative.

Also vorerst Daumen halten... ich hoffe, sehr bald fröhliche Bilder einer lustig umherlaufenden Ivanka nachliefern zu können!!!


Y. Neumann, 13. 6. 2009

Trauriger Nachtrag, Ivanka haben wir heute verloren... Sie ist schon da oben, wo nichts weh tut, wo sie nichtmal essen muss. Als Folge der langdauernden Unterernährung - niemand weiss, wie lang ihr Zustand dauerte, bis sie zu uns kam - kolabierte ihr Metabolismus, die Speicheldrüsen verstopften, der Kopf schwoll an, es drohte ein Erstickungstod. In die immer noch angelegte Kanüle floss das erlösende Mittel, ihr Herz hörte binnen Sekunden zu schlagen an.

Ich will sie so in Erinnerung behalten, wie sie wenige Tage zuvor in der wärmenden Sonne bei mir im Garten lag, als wir noch hofften, sie zurück in ein schönes Hundeleben holen zu können.

25. 6. 2009