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TARA die geströmte Königin

Als ich im August d.J. eine Mail von einer Interessentin für Tara aus dem Tierheim Komarno bekam, wollte ich es erst nicht glauben. Vorsichtshalber schickte ich eine Retourmail mit einem Bild der Hündin mit der Frage: diese Tara meinen Sie, wirklich?

Ja, diese Tara... die und keine andere!

Tara, eine unscheinbare, ja direkt unglücklich gebaute Hündin, ein Mix aus allem möglichen, Gesicht etwas labradorig, Hinterteil boxerig und die Beine dackelig... und geströmt! Und dick!



Im Dezember 2008 hat man im Tierheim angerufen, dass in das Firmenareal Tatraspol ein Hund reinlief, hat Angst, versteckt sich in den Ecken. Es war Tara, der Name von dem Firmennamen abgeleitet. Kugelrund, man könnte meinen trächtig. Aber eine Ultraschalluntersuchung schloss eine Trächtigkeit aus.
Tara
war gegenüber von Fremden vorsichtig, es hat lang gedauert, bis man ihr Vertrauen gewann. Schliesslich kam ihr wahres, ihr Superwesen raus. Mit Gutti oder Balli gewann man sie immer - sofern man im Tierheim die Zeit dazu hatte. 

Ich muss zugeben, ich glaubte nicht, dass sie vermittelt wird... so wenig entsprach sie den Vorstellungen. In der Slowakei als Weibchen ohne Wachfunktion sowieso wenig Chance. Für Deutschland, na ja, das geströmte... und überhaupt, so gar kein Erfolgsmodell.

Mit der (in Tara) heiß verliebten und überaus freundlichen Interessentin entfachte sich eine rege Mailkorrespondenz. So recht wollte ich es weiterhin nicht glauben. Hinzu kam die Entfernung: die Mails kamen aus ziemlichen Norden Deutschlands.

Auf die, leider berechtigte Frage, wie sie, die liebe Frau, der schiefen Blicke ob des geströmten Hundes entgegentreten will (...haben Sie keine Angst, dass sie von Unwissenden angepöbelt werden von wegen Kampfhundmix? Geströmt sind auch Boxer, Doggen, holländische Schäfer, aber na ja, Sie wissen schon, die Realität kann anders sein...) kam eine sympathische Antwort:

Die Strömung ist einfach wunderschön. Meine erste Bulldogge war auch geströmt. Ich habe nie Probleme gehabt, weil er sehr charmant war. Ich glaube, weil Tara mich so sehr an ihn erinnert, bin ich so sehr emotional im Bezug auf sie. Tara würde ein Blümchen an ihr Geschirr bekommen oder ein süsses Halstuch. Das sind schon einmal beschwichtigende Signale. Ich bin auch noch nie beschimpft worden. Bei uns in der kleinen Stadt haben wir aber auch nicht so sehr das geballte Problem mit unvernünftigen Menschen und starken Hunden.Von daher sind die Leute zugänglicher. Sie fragen manchmal neugierig nach und dann beantworte ich geduldig ihre Fragen.“

Das Kennenlernen ging zwei Monate lang. Fragen über Fragen, von beiden Seiten. Die Interessentin nahm alles sehr ernst, sie machte sich viele Gedanken, manchmal viel zu viele, und es gab da auch den älteren Ersthund, der vielleicht der Alleinherrscher im Hause B. bleiben wollte? Und zwei Kater auch noch!

Nach einer Platzkontrolle durch Kollegen aus Deutschland gab es endlich grünes Licht. Der Flug wurde gebucht, Tara wurde persönlich abgeholt. Ich brachte die Hündin zum Flughafen, vor dem Abflug verbrachten wir noch einige angeregte Stunden zusammen. Spätestens dann war ich sicher, dass Tara das Glückslos zog! Und da ich eh nicht verstehe, wie können Menschen anhand der Tausenden von Anzeigen „ihren“ Hund aus den Vermittlungsportalen rausfischen, fragte ich, was bei Tara ausschlaggebend war. Man glaubt nicht, was das alles sein kann. Manchmal der Name (wie der verstorbene), oft die Ähnlichkeit mit einem früheren Hund, und bei Tara? Sie hat die selbe breite Brust wie der erste Bulldogge! Na bitte...

Tara flog also ab. Und dann kamen täglich Erfolgsmeldungen, Schritt für Schritt, alles lang und gewissenhaft vorbereitet und geplant. Urlaub, Ersthund bei den Eltern, damit die Landpomeranze Tara in Ruhe das neue Leben erforschen kann usw.



Tara will nicht raus und nicht rein ins Haus

Es hat lange gedauert bis wir sie in der Wohnung hatten. Heute morgen habe ich sie mit Konsequenz und vielen Leckerlies dazu bewegen können im Garten Pipi zu machen.  Gerade haben wir zusammen auf dem Teppich gesessen und geschmust. Voller Vertrauen legte sie ihren Kopf auf meinen Schoss und ist dann unter meinen Streicheleinheiten eingeschlafen.

Tara läuft in der Wohnung jetzt vorsichtig hinter mir her. An die Wohnungtür habe ich ihr Leckerlies gelegt, welche sie sich schnell geholt hat. Später hole ich noch ein Sicherheitsgeschirr mit Tragegriff, da sie Hausflure noch immer blöd findet.

Kecke Freundin als Starthilfe

Hier hat sich heute einiges getan! Mein Bruder ist einfach mal ganz keck mit seiner Tina vorbei gekommen. Die kleine Tina scheint ein Segen für Tara zu sein. Tara taute auf wie ein Eiswürfel im Sommer. Sie wurde immer mutiger. Wir sind dann zusammen in den Garten gegangen. Tara hat sich gelöst und viel geschnuppert. Natürlich wollte sie mal wieder nicht rein. Da ich nicht an ihr zerren wollte, habe ich alle Ernährungsvorsätze über Bord geworfen. Das Zaubermittel war fettarme Putensalami... Langsam ging Tara dann durch die Tür und stöberte im Hausflur herum. In die Wohnung ging es dann wie selbstverständlich.

Mein Mann und ich haben heute in aller frühe den ersten richtigen Gassi-Gang gemacht. Wir haben eine neue Methode ausprobiert. Wir haben einfach die Haustür weit geöffnet. So konnte Tara an lockerer Leine alleine herauskommen. Freudig schnüffelnd ist sie mit uns gelaufen. Nach ca. 10 Min. war sie anrufbar und hat immer wieder mit uns gekuschelt. Dann wollte sie wieder nicht rein, obwohl die neuen Eindrücke sie merklich erschöpft hatten. Mein Mann und ich haben dann erst einmal gemütlich einen Kaffee, sitzend vor der Haustür getrunken. Die drei Treppen hoch an die Wohnungstür, habe ich mich hingehockt und eine Dose Hundefutter mit Pansen hingehalten. Innerhalb von Sekunden war unser Hundemädchen in der Wohnung!! Natürlich wurde sie mit einem Löffel von dem guten Zeug belohnt. Danach war starkes Dauerkosen auf dem Programm.

Der Ball kam heute auch noch zum Einsatz. Wenn Tara hinter dem Ball herhüpft, hört es sich an, als ob ein Bär tanzt.

Tara und die Katzen

Wir haben den Idealfall, das unser Wohnung über zwei Etagen angelegt ist. Die Katzen sind im Moment oben oder streunen draussen herum. Gestern Abend haben wir die Tür zum Wohnzimmer für 10 Minuten geöffnet. Tara war an der Leine. Die Katzen kamen auch munter die Treppe herunter gelaufen. Der eine Kater machte einen grossen Bogen um Tara und hat dann erst einmal in der Küche geschaut, ob er auf dem Küchentisch etwas leckers findet. Der andere Kater kam gleich freundlich auf Tara zu, dann haben wir einen zu nahen Kontakt jedoch unterbunden. Tara hat die Ohren aufgestellt und leicht gezittert. Die Rute konnte ich nicht sehen, da sie auf dem Po sass (ich vermute, sie war leicht geklemmt). Es war mir nicht möglich, zu erkennen, ob es einfach die Angst und Unsicherheit war oder die "Lust" auf Katzenbraten war, die unsere Schöne so erbeben liess...

Ich muss sagen, dass innerlich in mir einige Filme abliefen. Ich glaube, ich hatte ganz persönlich nach 10 Min. einfach genug, weil mein kleiner Kater Moses einfach zu doll auf Tara loslief. Hätte er einen Sicherheitsabstand gehalten, hätte ich es viel länger ausgehalten. Ich packe es unter die Weisheiten, die mich der Umgang mit Tara lehrt....und heute Abend das Ganze noch einmal.

Mein Kater Leon fängt an sich an Tara zu reiben und ihr den Kopf zu lecken. Tara ist das noch etwas unheimlich und manchmal entzieht sie sich vorsichtig der Situation.

Die Katzen liegen schon mit Tara auf dem Sofa. Natürlich ist noch Abstand dazwischen, aber meine Herren Kater sind schlau und bewegen sich ruhig ohne zu rennen. Ich habe ihre Ratschläge genauestens beherzigt. (Mein Rat zum Thema Katzen: vermeiden Sie, dass die Katze davonrennt resp. rennt, sich bewegt. Das könnte einen Verfolgungstrieb wecken. Tara neben Ihnen auf der Couch liegend, eine ruhige Katze auf der anderen Seite liegend, aushalten eine Weile. Eine ruhige Katze Tara zum Beschnuppern mit dem Hinterteil anbieten.)


Tara und die Kinder

Die Kinder sind heute zum Papa -Wochenende gekommen. Mein Mann hat sie bei einem Eis eingeweiht und ist mit ihnen nochmal spielerisch die Umgangsregeln mit fremden Hunden durchgegangen. Es kam zur ersten Begegnung: Tara liebt Kinder! Sie hat sich ohne Angst auf den Rücken plumsen lassen und sich mal so richtig durchmassieren lassen.

Tara und der Ersthund

Wir fahren zu ihm hin. Meine Mama hat mir den Vorschlag gemacht, weil es mir die Gewöhnung der Hunde aneinander leichter macht. Wir werden erstmal jeden Tag mit beiden Hunden zusammen laufen, bevor wir sie auf engerem Raum zusammen lassen.

Die Wohngemeinschaft Tara und Yoda ist gelungen! Yoda hat wieder seinen Stammplatz neben mir bezogen. Beide Hunde fühlen sich anscheinend wohl.  Natürlich passe ich noch sehr auf, bin aber doch entspannt. Yoda schnuppert an Tara wenn sie schläft und umgekehrt.

Spaziergänge können jetzt schon mal 2 Std. dauern

Langsam merkt man auch, dass sie ein sehr junger Hund ist. Sie bekommt dann" ihre wilden 5 Min." und und rennt und springt und der Matsch auf der Wiese spritzt in die Höhe. Es ist eine Freude sie zu beobachten und mit ihr zu spielen. Viel Kondition hat sie noch nicht, aber das kommt noch (abgenommen hat sie auch schon, ohne Diät, die Bewegung macht es.)

Gestern habe ich Yoda ein wenig Thunfischöl ins Fell gemacht. Tara hat ihn daraufhin geputzt wie verrückt. Im Gegenzug hat er sie dann ein paar Stunden später geputzt bis sie einschlief und schnarchte. Ich kann die beiden nebeneinander im selben Raum füttern. Ich passe allerdings immer auf. Tara zeigt sich nicht mehr futterneidisch. Kauknochen stehlen sich die beiden immer gegenseitig.

 Beide Hunde sind inzwischen wie ein Pärchen. Yoda läuft immer in ihrer Nähe, gerne traben sie auch Schulter an Schulter. Das sieht besonders entzückend aus.

Zum Schluss dieser gelungenen Vermittlungsstory darf ich den Zeitrahmen erwähnen: das Beschriebene, Taras Gewöhnung an das neue Leben, an die Innenhaltung, die Katzen, Autos usw., dauerte wenige Wochen. Eigentlich kürzer, nur ihr neues Frauchen wollte es mit Brief und Siegel haben. Ihre, d.h. Frauchens, anfängliche Unsicherheit wich einem natürlichen Instinkt für das Geschehen. Ihr Fazit:
Ich habe sehr viel Souveränität gewonnen und bin unerschütterlich in meiner Geduld und Ruhe. Niemand ist glücklicher als ich, und ich habe soviel gelernt über Tara, aber auch über Yoda und... letztendlich auch über mich selbst.“

Y. Neumann, 15. Dez. 2009