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Kastrations bei Rüden - pro und contra

Einleitend will ich betonen, dass ich für die Kastration von Hunden (und Katzen...) bin überall dort, wo keine effektive Kontrolle der Vermehrung gegeben ist. Hier, in der Slowakei, wo ich lebe, bin ich dafür... bei jedem einzelnen Tier, so bald wie möglich, um jeden auch nur denkbaren Wurf ungewünschter, nicht vermittelbarer, die Tierheime füllender und notleidender Vierbeiner zu verhindern!

Bei Vermittlungen nach Österreich und Deutschland habe ich da meine Zweifel, doch wird es verlangt und so kommt jedes Tier, der das Glück der schönen Hundezukunft im Ausland bekommt, erstmals unters Messer. Bei einem Weibchen kann ich es nachvollziehen, ein Organ was man nicht hat bekommt keine Tumore, keine Pyometra. Also neben der Bequemlichkeit für uns Hundehalter gibt es da auch gesundheitliche Aspekte, die dafür sprechen.

Vor so 12 Jahren, damals schon in der Slowakei, verzweifelte ich mit meinem jungen dt. Pinscherrüden, Gott sei ihm selig..., er gehorchte trotz seiner hohen Intelligenz (oder gerade deswegen...) nicht, ich war genervt, ging zum Doc und bat um eine Kastration. Der schaute mich verwundert an, lehnte es ab und fragte: haben sie es schon mit Erziehung probiert? Und gab mir die Adresse einer guten Hundetrainerin. Bei ihr folgte mein vorwitziger Pinscher aufs Wort... heute weiß ich, dass ein junger aktiver Pinscher nicht die richtige Hundewahl war für meine Art einen Hund zu halten. Er wurde bei mir sehr alt, sehr geliebt und die ersten schlimmen zwei Jahre, wo er schlicht nicht ausgelastet war, habe ich dann vergessen.

                         

Nun, warum also jeden Rüden, der nach Deutschland zur Vermittlung geht, kastrieren? Wo doch in Deutschland die meisten Weibchen kastriert sind, wo die Halter ihre Hunde beaufsichtigen, kontrolliert Gassi führen, nicht streunen lassen, passen auf, dass ihr evtl. läufiges Weibchen nicht gedeckt wird.

Kastration: Bei einer Kastration werden die Keimdrüsen entfernt. Beim Rüden werden dabei die Hoden entfernt, bei der Hündin die Eierstöcke, meistens auch die Gebärmutter. Da die Keimdrüsen entfernt werden, werden auch (fast) keine Sexualhormone mehr gebildet.

Das Ziel der Kastration ist in erster Linie die Verhinderung von unerwünschtem Nachwuchs, aber auch um potentielle Erkrankungen zu vermeiden und um die Haltung zu erleichtern.


Das Sexualhormon bei Rüden ist das Testosteron. Bei welchen Verhaltensweisen, außer bei Geschlechtsaktivität, spielt Testosteron eine Rolle? Darüber fand ich eine

interessante Abhandlung von S. Strodtbeck und PD Dr. U. Ganslosser „Die Kastration des Rüden aus verhaltensbiologischer Sicht“ (WUFF das österreichische Hundemagazin, 12/2010).

Verhalten

Testosteron beteiligt?

Ursächlich beteiligt

Kastrieren?

Angstaggression

nein

Cortisol, wird von Testosteron gehemmt...

NEIN, kontraindiziert!

Futterverteidigung

nein

Cortisol

Bringt nichts

Selbstverteidigungsaggression

nein

Adrenalin, Noradrenalin

Bringt nichts

Unerwünschtes Schutzverhalten

nein

Vassopressin, Oxytocin

nein

Territorriale, Statusaggression

ja


JA, Erfolg aber nur, wenn das Verhalten nicht bereits erlernt ist...

Streunen

jein (nur in Gegenwart läufiger Hündinnen)


Nur bei sexuell motiviertem Streunen sinnvoll, also bei Anwesenheit von läufigen Hündinnen

Hypersexualität („aufreiten“)

jein


Oft nur Übersprunghandlung oder Bewegungsstereotypie zum Stressabbau!

Ein gesondertes Kapitel ist die sog. Dominanz, sie wird als von unten nach oben stabilisierende Beziehung beschrieben. Ein natürlich dominanter Hund, also einer mit „Führungsqualitäten“ ist souverän und hat es nicht nötig, aggressiv zu sein. Aggressiv sind die, die es sein möchten, aber haben das Zeug nicht dazu – ob kastriert oder nicht...


Die Quintessenz: eine Kastration ist kein Allheilmittel und Lösung von Verhaltensproblemen.

Viele erlernte Verhaltensweisen haben mit dem Geschlechtshormon schlicht nichts gemeinsam oder nur ganz ursprünglich und die erlernte Komponente muss durch Reedukation angegangen werden. Die Vorstellung, dass die Hemmung der Testosteronproduktion wie ein Kippschalter manch unerwünschte Verhaltensweisen beseitigt, ist naiv und kurzsichtig...

Das betrifft auch das Markieren in der Wohnung... wenn der Hund von Außenhaltung im inneren des Hauses jede Möbelecke anpieselt... alle meine bisherigen Pflegehunde haben es gemacht, trotz Kastration. Auch da hilft nur dem Hund beizubringen, was drin und was draußen ist, wo er sich verewigen kann und wo nicht... binnen weniger Tage hat er es gespannt, wenn man ihn konsequent davon abhält und wenn er merkt, dass das jetzt sein Zuhause ist, dass er sich da nicht verewigen muss.

Muss also jeder Rüde, der nach Deutschland zur Vermittlung geht, kastriert werden? Ich meine nein, und verstosse dabei sicherlich nicht gegen den Tierschutzgedanken... eine gründliche Platzkontrolle und Analyse der künftigen Haltungsbedingungen, exakte Absprachen... oft ginge es ohne...

Ein aktuelles Beispiel: der hübsche 1-jährige Ivory darf demnächst nach Deutschland, natürlich soll er erst kastriert werden. Ivory ist ein absoluter Schatz, geht jedem Konflikt aus dem Weg, eine Rüdenansammlung meidet er besser, rennt davon... das bisschen Testosteron, dass in seinem Körper gebildet wird, schadet niemanden, ohne wird er möglicherweise zur Memme... na ja, sicherlich einer geliebten...


Y. Neumann, 30.04.11